Gewaltfreiheit

„Ich bin nicht gewaltfrei. Ich beschütze, was ich habe. Jedes Mal, wenn mein erwachsener Sohn das Haus verlässt, bin ich nicht sicher, ob er lebendig zurückkommt. Jede afro-amerikanische Mutter fragt sich das. Ich lebe im Terrorismus. Ich habe gesehen, wie meine Regierung meine Freunde getötet hat“, so sagt eine Frau aus den USA. Im Workshop „Proclamation of the gospel as speaking truth to the powers” debattiert eine Kleingruppe zum Thema Gewaltfreiheit.

Was heißt Nachfolge im Umgang mit den Mächten dieser Welt? In biblischen Geschichten wird von der Autorität Jesu über Mächte der Krankheit berichtet. Er hat auch Autorität über dämonische Mächte. Und in Mt 28, 18 geht es dann um seine universale Autorität.

Hat er seine Autorität gewaltfrei ausgeübt? Ist der Jesus noch gewaltfrei, der die Tische im Tempel umstürzt? Ist das ziviler Widerstand? Die Gruppe ist sich einig: Jesus war kein passiver Pazifist. Aber wie sieht aktive Gewaltfreiheit heute aus? „Gewaltfreie Demonstrationen sind wichtig“, sagt einer. Und eine andere sagt, dass die prophetischen Interventionen in den Kirchen gebraucht würden. Der Bedeutungsverlust der Kirchen in den USA und Europa sei doch mit Händen greifbar. „Wir müssen eine gewisse Empathie, eine tiefe Empathie für das Evangelium und die Situation entwickeln, in die wir es hineinsprechen, um die Herzen der Menschen zu berühren. Und manchmal müssen wir auch Dinge sagen, die unsere Gemeinden nicht hören wollen.“

In bedrängenden oder schwierigen Situationen hilft der Geist der Wahrheit, des Mutes und der Weisheit. Denn prophetisch zu reden bedeutet in bestimmten Kontexten ein hohes Risiko auf sich zu nehmen. Dann kann Nachfolge einen Preis fordern und unter Umständen das Leben kosten. Ein Workshop-Teilnehmer fordert, das Risiko gemeinsam zu tragen: „Die globale Kirche darf zu kriegerischen Konflikten und Gewalt im Kongo, Südsudan und an anderen Orten dieser Welt nicht schweigen. In gewisser Weise machen wir uns in den Kirchen zu Komplizen der Situation, wenn wir den Machthabern erlauben so weiter zu machen.“

Ein Beitrag von Anja Vollendorf

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