Der Workshop „Proclaiming of the Gospel as Speaking Truth to Powers“

Ich habe zwei Tage an dem Warsha (Workshop) „Proclaiming of the Gospel as Speaking Truth to Powers“ teilgenommen. Am ersten Tag haben wir eine Fülle unterschiedlicher „Mächte“ gesammelt, die uns beeinflussen oder denen wir gegenüberstehen. „Theologische Mächte“ wie z.B.  das Prosperity-Gospel oder eine fundamentalistische Theologie in mehreren Religionen, „Post-Wahrheits-Entwicklungen“ in Gesellschaften wie Individualismus, Modernismus oder Globalisierung, „Spirituelle Mächte“ wie Geisterglaube und „Ökonomische und politische Mächte“ wie Rassismus, Kapitalismus oder die Medien.

Am zweiten Tag haben wir uns mit der Frage beschäftigt, wie die „Autorität Jesu“ als Antwort auf diese Mächte aussehen kann. Dabei ging es um eine Orientierung an einer Autorität Jesu, die ihm von Gott gegeben wurde, in der er auch auf Macht verzichtet hat (Versuchungsgeschichte), in der er Gewaltlosigkeit gepredigt und gelebt hat. Es ist für mich die „Autorität des bittenden Christus“ (Eberhard Jüngel), in der Jesus gelebt hat, eine Autorität der Liebe und des Kreuzes.

In dem Workshop kam auch die Frage zur Sprache (gerade aus dem afrikanischen Kontext), ob die ständige Rede von der „mission of the margins“ nicht zu einer verfestigenden Rollenzuschreibung der Marginalisierten führt. Und die Frage ist tatsächlich: Wer hat die Macht der Definition und definiert also, wer die Marginalisierten sind. Es braucht eine sehr große Aufmerksamkeit und Sensibilität für die Rede von den Marginalisierten. Es ist gut und nach wie vor richtig und wichtig, wahrzunehmen, dass jeder Mensch Subjekt der eigenen Geschichte und auch der Mission ist und nicht Objekt. Es ist nach wie vor richtig und wichtig, die Perspektive der Opfer des Kolonialismus und einer fehlbesetzenden Missionsgeschichte in den Blick zu nehmen. Die sogenannten Margins nehmen aber für sich selbst in Anspruch, als Subjekte in der „Missio dei“ teilzuhaben – das gilt es wahrzunehmen und anzuerkennen.

Ein Beitrag von Renke Brahms

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